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Anfahren im Winter

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Sunday, February 8th 2009, 11:33pm

Anfahren im Winter

Damit die Räder nicht durchdrehen, wählt man zum Anfahren den 2. Gang. Bei Automatikfahrzeugen sollte man auch auf manuelle Gangwahl umstellen und den 2. einlegen.

Nun ist gefühlvolles Anfahren angesagt.
Sollte sich das Fahrzeug nicht bewegen... Tür auf und schaun, ob die Räder durchdrehen.

Die Räder drehen durch

Je nach Scheetiefe kommen die nun (hoffentlich) eingepackten "Wintersachen" zum Einsatz.
Schnee vor und hinter den Rädern ca. 1 Meter entfernen.
Streusplit direkt an die Räder packen - manchmal klappt es auch mit Gummimatten..
aber: egal was man jetzt vor die Räder packt: Es wird nach hinten "weggeschossen".

Nun gaaanz langsam losfahren. Wenig Gas und nicht anhalten bis ihr auf einer freien Fläche steht oder die Räder erneut durchdrehen.

Ihr habt aus Versehen zuviel Gas gegeben und nun stecken die Räder in einem Loch aus dem ihr nicht mehr herauskommt ?


Die gleichen Maßnahmen wie vorher.. aber Split/Matten müssen vor und hinter die Räder gelegt werden.
Nun muss man sich durch Gasgeben und Wegnehmen aus dem Loch herausschaukeln.
Klappt auch das nicht, muss man immer wieder sehr schnell in den Rückwärtsgang schalten.

Vooooor bis zum Durchdrehen der Räder ... zurüüüüück bis zum Durchdrehen der Räder und wieder....

Bis ihr entweder nach vorne oder hinten aus dem Loch herausgerollt seid.
Nun aber nicht den Fehler machen und wieder hinein zu fahren.
Beim nächsten Mal wird es schwerer, weil ihr jetzt ein Loch geschaffen habt, das fast nur noch aus Eis besteht.

Ihr habt es nicht geschafft, auf diese Art "in Gang" zu kommen ?

Nun habt ihr hoffentlich Schneeketten dabei. Die müsst ihr anlegen (vorher habt ihr hoffentlich mal geübt wie es geht?). Und wieder vorsichtig anfahren.
Schneeketten dürft ihr übrigens nur auf einer Schneedecke benutzen. Höchstgeschwindigkeit 50 km/h ist erlaubt.

Die Räder drehen NICHT durch aber der Motor dröhnt sehr laut
Beimanchen Herstellern sorgt die Antischlupfregelung (ASR) dafür, dass sich auf Glätte kein Rad mehr dreht. Wenn sich nichts dreht, klappen also alle Tricks nicht mehr.
ASR abschalten. Nun könnt ihr die obigen Tipps probieren.

Ich habe es natürlich auch schon erleben müssen, dass ASR sich NICHT abschalten lässt.
Ist man allein auf der Strecke, so kann man sich nur noch helfen indem man eine sehr lange Spur vor/hinter den Rädern freiräumt und alles Mögliche in diese Spur legt, damit die Räder nicht durchdrehen und das ASR nicht zuschaltet.

Gerade wer ein solches Fahrzeug hat sollte immer Sand oder Split im Winter dabei haben.
Wichtig ist in diesem Fall, dass der Split/Sand direkt an die Antriebsräder gepresst werden. Nur so behalten sie Kontakt.

Hat man das Fahrzeug dann endlich zum Fahren gebracht, kann man sich i.d.R. von den vorgelegten Sachen verabschieden.
Ein Halt auf glatter Fläche sorgt nämlich nur dafür, dass man erneut nicht mehr anfahren kann. Deshalb nichts unterlegen, was man noch einmal benötigen kann *g*

Helfen alle diese Tipps nicht mehr, kann man nur noch einen Notruf an einen Automobilclub oder die Notrufzentrale
mit dem Handy absetzen.
Gerade nachts besteht sonst die Gefahr von Erfrierungen. Wenn der Motor nicht mehr läuft ist das Auto innerhalb
weniger Minuten auf Außentemperatur abgekühlt.

In einem solchen Fall dann lieber die Kosten für ein Bergungsfahrzeug bezahlen.
Wenn ein Notruf abgesetzt wurde auf jeden Fall beim Fahrzeug auf Hilfe warten.
Es ist schon sehr oft vorgekommen, dass das Fahrzeug schnell erreicht wurde, die Passagiere aber im Schnee erfroren sind, weil die Hilfe sie nicht finden konnte.

Copyrights by D.Handke

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Tuesday, December 11th 2012, 8:26pm

Einige Jahre später tauchen mal wieder neue Fragen im Internet zu diesem Thema auf:

Anfahren am Berg bei Schnee und Eis

Das Auto ist geparkt
Direkt vor den Antriebsrädern einige Meter weit den Schnee räumen und abstumpfende Mittel (Splitt/Granulat/Sand) in diese Spur streuen ...zwar bevor man den ersten Startversuch unternimmt.

Bei einem Frontantrieb sollte zusätzlich auch der Weg vor den Hinterrädern geräumt und gestreut werden, damit die Vorderräder den Wagen nicht über einen "Schneehügel" ziehen müssen... der den Wagen dann so abbremsen könnte, dass die Vorderräder nicht genügend Vortrieb bekommen um "die Fuhre" im Schwung zu bringen.

Vorsicht mit dem Streugut !
Es wird gegen den hinten geparkten Wagen geworfen werden, wenn man zu kräftig Gas gibt. Splitt wird den Lack des hinteren Fahrzeuges beschädigen und eventuell auch gegen dessen Scheibe fliegen. Sehr gefühlvolles Anfahren ist also gefragt, damit die Räder möglichst wenig durchrutschen und das Streugut nicht nach hinten werfen können.
Ob solche Schäden eine Versicherung ersetzt, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall würde so etwas bedeuten, dass man nicht losfahren darf. Man muss den Geschädigten informieren, damit man sich nicht des "unerlaubten Entfernens vom Unfallort" schuldig macht.

Man befindet sich auf einer Straße
Sobald man merkt, dass man nicht loskommt , sollte man den Warnblinker einschalten. Dann wissen andere Autofahrer, dass du sozusagen für sie "ein stehendes Verkehrshindernis" darstellst.
Sie können also um deinen Wagen herum fahren.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten:
1) Sehr, sehr, seeeeeehr gefühlvoll anfahren.
2) Streugut aus dem Kofferraum holen, die glatte Fläche damit abstreuen und wieder gefühlvoll anfahren.

Wenn du merkst, dass du trotz "gefühlvoll anfahren" und Streuen nicht genügend Grip und Schwung bekommst....
.. gibt es noch die "Brachialmethode":
Sobald du merkst, dass du etwas Grip unter den Antriebsrädern hast, lass die Kupplung schleifen und gib kräftig Gas.
Natürlich ist das weder fahrzeugschonend noch "vernünftig".
Sinn dabei ist, dass du innerhalb der "Grip-Strecke" genügend Schwung bekommst, damit das Fahrzeug auch noch Vortrieb hat, sobald es die glatte oder verschneite Fläche erreicht hat.

Vor folgenden Fahrzeugreaktionen und Folgen muss ich aber warnen:
1) Das Streugut wird auf jeden Fall nach Hinten weg geschleudert werden - Nicht machen, wenn Personen oder andere Fahrzeuge in der Nähe sind.
2) Der Wagen wird auf jeden Fall irgendwann ausbrechen - Es geht also nur dort, wo genügend Platz ist zum Gegenlenken oder anderen "sinnvollen" Reaktionen.
3) Wenn der Wagen wieder in Fahrt gekommen ist , ist er nicht so leicht wieder zu bremsen - Deshalb nie an Kreuzungen versuchen oder an Stellen an denen Hindernisse oder andere Fahrzeuge sind.
4) Wenn direkt nach der Steigung eine Kurve kommt , wird dich der "Anfahrtschwung" aus der Kurve hinaustragen - Lass es deshalb lieber an einer solchen Stelle bleiben.

Viel besser ist es, in einer "solchen aussichtslosen Situation", Folgendes zu machen:
- Warten, bis die Straße frei ist.
- Fahrzeug soweit zurück rollen lassen, bis man stumpfen Untergrund erreicht hat ...
.. entweder kann man es ab "hier" erneut versuchen , so dass man über die viel zu glatte Strecke "in einem Rutsch" drüber weg kommt .... oder (sicherer)
- Fahrzeug wenden oder in eine Nebenstraße fahren und danach über eine andere Route zum Ziel fahren.

Muss man bei Glätte eigentlich immer einen ganz bestimmten zum Anfahren Gang benutzen ?

Nein, muss man nicht.
Ich hatte den 2. Gang empfohlen, weil man hierbei nicht so gefühlvoll Gas geben muss.

Persönlich bin ich selbst mit Heckantrieb + Sommer-Breitreifen selbst im tiefsten Schnee noch im 1. Gang losgefahren ( gab keine Winterreifenpflicht). Welchen Gang man wählt, kommt immer darauf an, wie gut man sein Fahrzeug kennt/beherrscht und wie gefühlvoll man mit dem Gaspedal "spielen" kann.
Man muss das Gas so dosieren, dass man ganz genau am "Grenzwert zwischen Traktion und Rutschen" bleibt: Maximale Traktion bei minimalem Schlupf.

Bei modernen Fahrzeugen kann dieser Grenzwert auch durch diverse technische Hilfen erreicht werden .. ohne dass zu viel Schlupf entsteht. Anti-Schlupf-Einstellungen , Berganfahrhilfen , Wintereinstellungen usw.


Hat ein 4-Rad-Antrieb Vorteile beim Anfahren ?
Ja. Wenn sich 4 Antriebsräder in den Schnee "krallen" , ist die Wahrscheinlichkeit viel geringer, dass alle 4 Antriebsräder gleichzeitig nur durchrutschen.
Wer einen 4-Rad-Antrieb hat, sollte ihn für das Anfahren so justieren, dass die Kraft 50:50 auf beide Antriebsachsen verteilt wird oder 60:40 auf die Hinterachse. Die Kraftverteilung sollte man dabei aber immer den jeweiligen Straßenverhältnissen und der Steigung anpassen.

Hier sollte man besser auch etwas Erfahrung mitbringen, welche Antriebsart in welcher Situation besser ist:
Schließlich kann man aus einem 4-Wheel-Drive-Wagen auch mal eben einen Frontantrieb oder Heckantrieb machen.

Immer alle 4 Räder "treibenlassen" kann auch zu einer ( für Unbeteiligte) lustig aussehenden Situation führen:
Dann driftet der Wagen plötzlich seitwärts los.. weil beide Antriebsachsen gleichzeitig ausbrechen
Das Heck will nach Rechts, während die Front nach Links will --> fertig ist der "motorisierte Brummkreisel" :42:

Warnung !
4-WD ist nur da sicherer wo es auf reine Traktion ankommt. Im normalen Winter-Fahrbetrieb hat er kaum nennenswerte Vorteile.
Wenn er rutscht, dann rutscht er. Da ist es dann egal, ob man 4 angetriebene Räder hat oder nur zwei.
Bitte gebt euch deshalb keinen falschen "Sicherheitsillusionen" hin.

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west

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Tuesday, December 11th 2012, 11:54pm

Zum 4WD möchte ich noch sagen, dass eigentlich niemals alle 4 Räder angetrieben werden, sofern es nicht diverse Sperren gibt. VW z.B. speziell mein Tiguan hat eine 30 % Sperre, die auf die Vorderräder greift, aber auch nur dann, wenn der Offroadmodus eingeschalten ist.

Im Normalfall treiben immer nur ein Vorderrad und ein Hinterrad an. Das ist technisch bedingt durch das Differenzial. Natürlich bringen die diverse technische Hilfsmittel wie ASR (Antischlupfregelung) in gewissen Situationen die nötige Bodenhaftung beim Anfahren. Jedoch sollte man sich nicht wirklich drauf verlassen, dass man in extremen Situationen die nötige Bodenhaftung beibehält.

Gerade bei Allrad Fahrzeugen sollte man bedenken, fängt das Fahrzeug ins Ausbrechen an, hilft wirklich nur mehr zurück schalten und vollgas geben, Gegenlenken und das Fahrzeug im sogenannten "Querdrift" in der Spur halten, bis eine Stelle kommt, wo man gefahrlos wieder abbremsen kann. Eine Vollbremsung beim ausbrechenden Allradfahrzeug führt unweigerlich dazu, dass das Fahrzeug unkontrollierbar wird.

Natürlich muss man sich solche Aktionen auch trauen und sollte sie vorher auf einem großen Parkplatz ausgiebig testen.

Ich habe das gemacht und das hat mich einmal davor bewahrt, dass ich auf der Autobahn auf Glatteis in die Leitschiene gekracht bin. Damals fuhr ich einen VW Golf Country.

Bearbeitung durch "Ratgeber"11.12.2012:
Nähere Informationen speziell zum Allradantrieb
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Wenn man ein Fenster ins Wasser wirft, geht es unter, wenn man einen Apfel ins Wasser wirft, schwimmt er erst einmal, aber wenn er faulig wird, geht er unter, nur ein Pinguin kann schwimmen.

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