Wieso die Zahlen des RKI von denen der JHU abweichen

  • Die Medien veröffentlichen die Fallzahlen aus zwei verschiedenen Quellen: "Robert-Koch-Institut" (RKI) und "Johns Hopkins University"(JHU). Die Zahlen weichen jedoch teilweise extrem voneinander ab.


    Das RKI wertet die Daten aus, die ihm von diversen Behörden und Institutionen gemeldet werden.

    Hier ein Beispiel über den Ablauf:

    Der Arzt stellt eine Neuinfektion oder einen Todesfall fest. Diesen meldet er an das zuständige Gesundheitsamt. Das Gesundheitsamt meldet die Zahlen dann an die nächsthöhere Stelle weiter. Diese sammelt die Daten aus mehreren Gesundheitsämtern und meldet sie dann auch weiter.

    Irgendwann, ganz am Ende dieser Kette, wird die Zusammenfassung aller Daten dann an das RKI weiter gegeben.


    Natürlich kann man bei einer solchen Meldekette keine aktuellen Daten liefern. Das Sammeln und Zusammenfassen an den einzelnen Stellen kostet unterschiedlich lange Zeit, bevor die Zahlen dann weiter gemeldet werden können.


    An Wochenenden oder Feiertagen gibt es erst einmal gar keine relevanten Zahlen, Die Daten für Samstag, Sonntag, Feiertag müssen ja erst einmal eingehen. Manche Einrichtung ist dabei schneller und andere langsamer. Am folgenden Montag oder Werktag stehen deshalb nur wenige Daten zur Verfügung.

    Einen Tag später kommen dann oft alle fehlenden Daten zusammen. Erst jetzt hat man wieder reale Werte, die man wieder analysieren kann. Die betreffen dann aber nicht nur einen einzelnen Tag, sondern sich faktisch eine Zusammenfassung der letzten Tage.


    Es gibt übrigens noch einen weiteren Punkt, weshalb das RKI die Zahlen nur mit großer Verzögerung bekommt:

    Es gibt keine allgemein übliche oder verwendete Art, wie die Daten von Ärzten und Organisationen gemeldet werden. Die Fallzahlen werden teilweise noch auf Papier erfasst und dann gesammelt per Fax übermittelt. Es fehlt eine gemeinsame Infrastruktur, die allen Beteiligten zur Verfügung steht und von ihnen auch ausdrücklich genutzt werden muss.


    Wegen der aktuellen Erfahrungen hat man beschlossen, zukünftig ein "zentrales Meldesystem" aufzubauen, in das der jeweilige Arzt seine Meldung direkt eingibt.

    Damit hätte man ein Echtzeitsystem, das minutengenau die Entwicklung zeigen könnte. Weitere Auswertungen kann man dann per EDV vornehmen lassen.



    Die JHU wertet die Daten aus, die die diversen Behörden und Institutionen selbst veröffentlichen.

    Jede Behörde und jede Institution veröffentlicht seine Daten direkt nachdem sie sie erhalten haben. Die JHU eruiert die Daten schon an dieser Stelle und wartet nicht erst die Zusammenfassung ab.


    Dadurch sind die Daten natürlich viel aktueller. Gleichzeitig kann man auch sehen, wo jeweils die meisten Fälle auftreten oder die Zahlen wieder sinken. Man muss ja nur in den entsprechenden Datensatz schauen und muss ihn nicht erst lange heraus rechnen (falls er überhaupt differenziert übermittelt würde=


    Welche Daten sind nun eigentlich zuverlässiger ?

    Da es eigentlich die gleichen Daten sind, sind auf lange Sicht alle gleich zuverlässig. Abweichungen entstehen nur dann, wenn die JHU gerade neue Daten bekommt während die gleichen Daten noch für das RKI für die Übermittlung gesammelt werden.