Wohnungsbesichtigung: Worauf man achten sollte

  • Dem Einen kommt es nur auf den Schnitt und die Lage der Wohnung an. Das kann man problemlos zu jeder Tages- und Jahreszeit identisch sehen. Andere legen jedoch Wert auf andere Aspekte. Bei ihnen kommt es darauf an, wann man die Wohnung besichtigt.


    Gute Isolation gegen Wärme und Kälte

    Sie spielt im Keller und unter/auf dem Dach eine sehr große Rolle.


    Wenn eine Kellerwohnung im Sommer recht kühl ist, weist es darauf hin, dass es im Winter noch viel kälter sein wird. In der kalten Jahreszeit wird man also hohe Heizkosten haben. Da die Preise für Energie in den letzten Jahren immer weiter gestiegen sind, ist das ein Kostenfaktor, den man nicht außer Augen lassen darf


    Wenn eine Wohnung unter dem Dach im Winter schön warm ist, kann/wird dort im Sommer eine brüllende Hitze herrschen. Man kann noch nicht wissen, ob man kostengünstig lüften/kühlen kann - da das auf den Schnitt der Wohnung ankommt - also sollte man besser Zusatzkosten für Kühlung mit einbeziehen.


    Gerade bei so einer Dachwohnung kommt es auch darauf an, wie die Heizkosten entstehen und abgelesen werden.

    Dachwohnungen werden im Winter oft "von unten beheizt". Die aufsteigende Wärme aus den unteren Wohnungen heizen die oberen (etwas) mit. Dadurch kann man sogar ohne die Heizung einzuschalten, angenehme Raumtemperaturen haben.


    Wenn es jedoch eine Zentralheizung gibt, zahlt man in jedem Fall Heizkosten, auch wenn man die Heizung nie benutzen würde. Die Abrechnungssysteme und Ablesevorrichtungen teilen nämlich die entstehenden Heizkosten auf alle Mieter entsprechend der Raumgröße auf.

    Auch wenn einige Messvorrichtungen von sich behaupten, dass sie nur den tatsächlichen Verbrauch berücksichtigen - völliger Blödsinn.

    Messvorrichtungen richten sich nicht danach ob man die Heizung an hat, sondern nur danach, welche Temperatur im Raum, herrscht.


    Als "Dachbewohner" zahlt man also für den Verbrauch der unteren Wohnungen mit und wenn es im Sommer sehr heiß ist, zahlt man sogar für die unerwünschte Wärme, weil sich die Messvorrichtungen ja nur nach der Temperatur richten.

    Wohnungen im Dachgeschoss sollten daher besser eine eigene Versorgung mit Heizenergie haben. Etagenheizung oder "Einzelfeuerstätten" .. beides auf Basis von Strom oder Gas. Nur dann rechnet man mit dem Energieversorger genau die Heizkosten ab, die man auch selbst verursacht hat.


    Ruhige und leise Wohnung

    Wohnungsbesichtigungen finden sehr oft tagsüber oder an Wochenenden statt. Tagsüber ist keiner im Haus und an Wochenenden herrscht im Haus auch oft weniger Betrieb als während der Woche. Aus diesem Grund wirkt dann auch eine "Lärmbude" wie ein "Lärmerholungsort". Wenn man dann aber eingezogen ist "gibt es was auf die Ohren".


    Innerhalb eines Hauses gibt es normalerweise keine dicken Wände mehr. Die Wandstärken sind oft gerade nur so weit ausreichend, dass man einen Hängeschrank daran befestigen kann, ohne dass die Mauer dadurch plötzlich zusammen bricht. *lach*

    Gute Außenisolierungen wirken sich auch nicht im Inneren aus, da Lärm aus den Nachbarwohnungen völlig unisoliert durch Wände und Böden dringen kann.


    Die ruhigste Lage hat man immer nur ganz oben oder ganz unten im Haus.

    Da bekommt man nur Lärm aus unteren oder oberen Etagen mit.


    Noch ruhiger wird es, wenn die Wohnung an einer Hausecke liegt.

    In dem Fall kann Nachbarlärm nur noch aus zwei Richtungen kommen. Eine Seite ist oft die Wand zu einem Flur sodass man eigentlich nur noch eine Wand hat, durch die Lärm dringen könnte.


    Wer jedoch in einer Mitteletage wohnt, bekommt eventuell Lärm von oben + unten + angrenzenden Wohnungen aus drei Richtungen ab. Man steckt sozusagen mitten in einer "Lärmkugel".


    Wie kann man testen, wie laut eine Wohnung "in Betrieb" ist ?

    Das kann man zwar nicht testen, aber man kann testen, wie gut die Wände gegen Schall isoliert sind.


    Objektiver Test: Messgerät

    1) Besorge dir irgendeine Handy-App, die den Lärmpegel messen kann

    Was die App für bestimmte Werte angibt, ist völlig egal. Wir brauchen nur den reinen Dezibelwert.


    2) Lege das Handy exakt 1 Meter von einer Innenwand entfernt hin.

    Idealerweise sollte an dieser Stelle kein Möbel stehen, damit der Körperschall ungedämpft durch die Wand dringen kann. Weil die neue Wohnung unmöbliert ist, ist es dort auch automatisch lauter. Aber so haben wir wenigsten einen ersten Anhaltspunkt.


    3) Starte die "Lärm-App" und gehe in den angrenzenden Raum

    Rufe von dort nun etwas mit voller Lautstärke in Richtung der Zwischenwand. Ideal sind Sätze wie "Immer so ein Lärm hier ! Wann wird es denn endlich mal leiser ?"

    Die spricht man garantiert nicht sehr leise und gelassen aus, wenn man Lärmprobleme hat.


    4) Geh zurück und lies die Messwerte ab

    Schau dir an, wie leise/laut es war, bevor du aus dem Nachbarraum gerufen hast. Danach sollte der Pegel nach oben schnellen. Merke dir einfach beide Werte für den späteren Vergleich.


    5) Nimm Handy und App zur Wohnungsbesichtigung mit und wiederhole dort den Test unter gleichen Bedingungen

    Wie schon gesagt, ist es nur ein Annäherungswert. Eine unmöblierte Wohnung ist immer lauter. Wenn der Pegel aber bei der unmöblierten Wohnung schon gleich wie vorher bei der möblierten ist, kann man davon ausgehen, dass diese Wohnung möbliert erheblich leiser sein wird.


    Subjektiver Test: Eine weitere Person hinzuziehen

    Schicke diese Person auch in der aktuellen Wohnung in den Nebenraum und lass sie lauthals die Sätze brüllen.

    Nimm die gleiche Person zur Besichtigung mit und wiederhole den Test.

    Jetzt kommt es nur auf dein Gedächtnis an, wie gut du die beiden Tests miteinander vergleichen kannst.

    Ich empfehle die Handy-App, da man damit einen direkt vergleichbaren Wert bekommt.


    Was ist eigentlich laut und was ist leise ?

    Das kommt vorrangig auf das eigene Gehör und Ruheempfinden an.


    Im Moment bin ich in einer Wohnung in der es sehr sehr ruhig ist:

    Der Lärmpegel beträgt nur 0,6 dB und wenn ich tief Luft hole steigt er auf bis zu 1,8 dB an. Für den Test musste ich sogar den Raum verlassen, weil mein passiv gekühlter Rechner einen Lärmpegel von 1,2dB erzeugt was zusammen mit dem Atmen zu "lärmenden" 2,2dB führt.

    Schon das Bewegen der Maus über einen Holztisch erzeugt einen Wert von bis zu 10 dB.

    Hier herrscht also faktisch geradezu eine "Totenstille".


    Die App ist garantiert nicht geeicht und das Handy auch kein besonders hochwertiges. Sie gibt für den Wert von 40dB "ruhiges Wohnzimmer" aus.

    Wenn ihr Werte (ohne weitere Geräusche) unter 10 dB messen könnt, habt ihr eine so leise Wohnung, dass es gar nicht besser gehen kann.

    Verlasst euch also besser auf eine Anzeige als auf euer Gefühl.


    Wer Probleme mit Lärm hat, sollte aber ruhig einmal den Link aufrufen --> 🥇 Ruhestörung melden ᐅ Polizei / Ordnungsamt – Lärmbelästigung (juraforum.de)

    In ihm ist beschrieben, welche Messwerte "akzeptabel" sind und wann eine Ruhestörung vorliegt. Vielleicht erspart euch das ja einen Umzug wegen Lärms.


    PS:

    Wenn der Vermieter der Lärmverursacher ist, hat man die gleichen Mittel als wenn es ein anderer Mieter wäre. Der Vermieter ist in jedem Fall dafür zuständig, dass Lärm abgestellt wird.