"Wir wollen nur die Zeit ermitteln, die benötigt wird"

  • Diese Aussage bekommen vorwiegend Menschen in gewerblichen Berufen zu hören. In anderen Berufen ist es aber auch nicht unbedingt auszuschließen.


    Ja, wenn man bestimmte Arbeitskosten berechnen will, muss man natürlich erst einmal wissen, wie viel Arbeitszeit dafür aufgewendet wird.

    Nein, das muss man eigentlich nicht gesondert messen. Den durchschnittlichen Zeitaufwand kann man auch anders/rechnerisch ermitteln.


    Jetzt kommt es auf die Arbeitdenden an, wie sie die Ansage auslegen wollen.


    Man will wissen, mit welcher Geschwindigkeit ich die Arbeit ausübe, sodass ich sie nicht nur eine kurze Zeit, sondern durchgehend ausüben kann. 

    Als Arbeitender teilt man sich also die Kräfte so ein, dass man die Arbeit stetig im gleichen Tempo schaffen kann.


    Man will prüfen, wie gut und schnell ich bin. Ich werde deshalb direkt 110 Prozent geben, damit man sieht, dass ich viel besser und schneller als andere bin.

    Reingefallen!

    Diese gemessene Zeit wird als deine ganz normale Geschwindigkeit betrachtet werden. Man wird erwarten, dass du immer so schnell wie bei der Messung sein wirst. Gleichzeitig geht man davon aus, dass du immer noch Reserven hast, die man dann in besonders dringlichen Situationen abrufen kann.

    Du bist nicht in der Lage durchgehend die gezeigten 110 Prozent zu liefern. Wenn du am äußersten Limit bist, kannst du aber auch nicht noch schneller machen. Irgendwann wirst du nachlassen und das wird dir dann als "Versagen" ausgelegt werden.


    Man will prüfen, wie schnell ich normalerweise bin. Ich will mir aber nicht selbst Druck machen, also arbeite ich langsamer als normal. Dann  kann ich eine ruhige Kugel schieben. 

    Auch reingefallen!

    Du musst ein sehr guter Schauspieler sein. Gleichzeitig darf es keine anderen Personen geben, die die gleiche Arbeit machen. Zusätzlich darf der "Zeitnehmer" absolut keine Ahnung davon haben, wie die Arbeit gemacht wird und welche Arbeitskraft dafür nötig ist.

    Die Chance, dass alles gleichzeitig zutrifft, ist extrem gering.

    Man wird also direkt erkennen, dass du dir einen Vorteil verschaffen willst, indem du eben "im Sparmodus" arbeitest.

    Du solltest dir schon eine plausible Erklärung zurechtlegen, damit du nicht die erste Person bist, auf die "gerne verzichtet werden kann".



    Als gewerblich Arbeitender habe ich in solchen Fällen immer auf Tricks verzichtet.


    Als Vorgesetzter habe ich erst einmal nur in Ruhe zugeschaut.

    Man kann sehen, ob jemand eine ruhige Kugel schiebt, sich seine Kräfte einteilt oder am Limit arbeitet.

    Das macht man dann mehrmals und schon weiß man bei wem es nur ein besonderer Tag war und bei wem es das übliche Arbeitsverhalten ist.


    Übrigens Vorsicht vor Vorgesetzten, die auch selbst anpacken können oder wollen.

    Wenn euch ein "Bürohengst" zeigt, dass er die gleiche Arbeit schneller/besser machen kann ... peinlicher kann es ja wohl nicht werden --> und der Anpfiff danach ist dann wahrscheinlich auch noch gerechtfertigt ;)