Pflege zuhause rechtzeitig planen und organisieren

  • Manche Pflegebedürftigkeit kommt überraschend und andere sind schon vorher abzusehen.

    Bei langfristig abzusehender Pflege informiert euch über das jeweilige Krankheitsbild und wie es sich entwickeln wird/kann.


    Ihr habt euch für die Pflege zuhause entschieden und müsst das Zuhause jetzt daran anpassen.

    Hier einmal zwei typische Krankheitsbilder, die immer öfters mit fortscheitendem Alter auftauchen.


    Inkontinenz

    Man verliert das Gefühl und die Kontrolle über seine Ausscheidungen. Die Ahnung "ich muss gleich zur Toilette" kommt immer später.

    Für die Person ist das extrem peinlich.


    Abhilfe schaffen da aber sogenannte "Pants".

    Das sind Unterhosen aus eine dünnen Schicht Kunststoff, in der sich ein saugfähiges Material befindet.

    Wie bei einem Katzenklo nimmt das Material die Feuchtigkeit auf, umschließt sie und verklumpt dabei. Alles bleibt trocken

    Du wirst eine größere Restmülltonne benötigen.


    Wenn die Inkontinenz auch nachts auftritt, werden Pants allein nicht mehr ausreichen.


    - Bettauflagen

    Saugfähige kleine Auflagen aus Stoffe, die z.B. Urin auffangen, damit es nicht auf die Laken durchdringt. Wasch- und wiederverwendbar.


    - Bad Mats

    Das Gleiche in Plastik + Papieroberfläche. Geringe Saugfähigkeit. Hoher Schutz des Bettlakens.

    Relativ teure Einwegprodukte. Eine noch größere Restmülltonne wird benötigt.


    - große Matratzenschoner die unter oder anstatt eines Bettlakens verwendet werden

    Gummiartiger Kunststoff, teilweise mit Beflockung, damit man ein besseres Liegegefühl hat. Wasch- und wiederverwendbar.


    Die maximale Stufe wäre die Verwendung aller drei Schutzmöglichkeiten parallel.


    Unabhängig von den benutzten Schutzmöglichkeiten fällt aber zusätzlich auch immer mehr Wäsche an, die gereinigt werden muss.

    Es muss sehr viel häufiger und auch sehr viel mehr gewaschen werden.

    Die "Waschkapazität", die sonst für eine ganze Familie gereicht hätte, wird nun schon für die Wäsche einer einzelnen Person benötigt.

    Die brauchst eine größere Waschmaschine und/oder sie sollte auch spezielle Schnellwaschprogramme haben


    Manches lässt sich erst nach längerem Einweichen wieder richtig sauber bekommen.

    Taucht das auch bei dir auf?

    Wenn bisher zeitlich alles reibungslos geklappt hat, wird dir dieser Umstand jetzt aber ein Problem bereiten: Die Einwirkzeiten müssen relativ lang sein und die dazu benutzte Maschine muss theoretisch danach erst einmal ein Hygieneprogramm absolvieren. Vorher kann man sie nicht für normale Wäsche benutzen.


    Lösung: Hol dir eine Single Waschmaschine, in die du einfach ein paar Eimer Wasser + Waschmittel geben kannst.

    Sie wird der Belastung nicht besonders lange standhalten, aber das ist auch nicht nötig.

    Du benötigst sie ja nur zum Einweichen, Wasser ablassen und mit ein paar Eimern Wasser ist sie auch schon wieder sauber.

    DAS ist der Hauptzweck dieser Maschine --> getrennt einweichen + schnell wieder hygienisch zu bekommen.


    Du hast nun also alles vorbereitet, um den "Wasch-Turbo" zünden zu können.

    Was deine Waschmaschine täglich waschen kann und auch muss, ist ein Vielfaches des sonst Üblichen.:thumbup:


    Damit taucht aber dann auch ein neues Problem auf: Du musst diese Wäschemengen aber auch trocknen können

    Die Wäscheladung einer 4köpfigen Familie am gleichen Tag trocken zu bekommen, funktioniert ohne Hilfsmittel nur im Sommer draußen und bei entsprechend langer Wäscheleine etc.

    In geschlossenen Räumen ist das schon nicht mehr zu schaffen.


    Bei dir kommt aber jetzt ein Mehrfaches an frisch gewaschener Wäsche auf, die auch am gleichen Tag wieder trocken werden muss.


    Lösung 1)

    Alles, was immer wieder gewaschen werden muss, ist in so großer Zahl vorhanden, dass es ausreichen würde, bis die erste Waschmaschinenladung wieder trocken ist. Du wirst mehrere komplette Sätze an Bettzeug auf Reserve benötigen.


    Lösung 2)

    Beschaff dir einen möglichst großen Trockner, der ähnlich lange zum Trocknen benötigt, wie die Waschmaschine zum Waschen.

    Nur mit dieser Lösung wirst du auch noch die Gelegenheit bekommen, auch die ganz normale Familienwäsche sauber zu waschen.


    Mach dir bei der häuslichen Pflege immer bewusst, dass sie nicht das gesamte Leben der Familie für sich einnehmen darf. Auch die anderen Personen benötigen weiterhin deine Zuwendung.


    Wenn die häusliche Pflege dann endet ... und das wird sie auf jeden Fall ... wirst du Vieles nicht mehr benötigen.

    Alles, was speziell auf eine Inkontinenz abgestimmt war, kannst/wirst du nicht mehr benutzen. Überlege dir daher schon gleich am Anfang, was auch später noch im Einsatz sein wird.


    Waschmaschine + Single Maschine + Trockner ... ja die sind auch später noch nützlich.

    Benutze die Single Maschine nur zum Einweichen (ohne damit zu waschen) dann bleibt sie auch später noch voll funktionsfähig.


    PS:

    Dieses Thema entsteht aus den 3jährigen eigenen Erfahrungen in der privaten häuslichen Pflege.

  • Demenz

    Zunehmend mehr Menschen erkranken an Demenz. Demenz ist aber nur ein Oberbegriff. Diese Krankheit kann sich bei jedem anders auswirken. Dementsprechend hat sie auch viele verschiedene Bezeichnungen.


    Demenz ist oft mit einem allmählichen, aber völligen Verlust des Gedächtnisses verbunden. Eine Wesensänderung ist auch möglich.


    Eine an Demenz erkrankte Person kann irgendwann keine Gefahren mehr erkennen. Sie muss sozusagen wie ein Kleinkind davor geschützt werden.

    Ein Kind lernt jedoch immer mehr dazu, sodass man immer mehr Schutzmaßnahmen entfernen kann.

    Bei einer an Demenz erkrankten Person ist es genau umgekehrt. Es muss zunehmend nachgesichert werden.


    Stell dir einmal vor, von heute auf morgen würde man dir alles verbieten und dafür sorgen, dass du nichts mehr alleine machen kannst. Von einem selbstbestimmten Leben zu einem Leben, bei dem du bei jeder Kleinigkeit von anderen abhängig bist.

    Du wirst auf das Härteste dafür bestraft, nur weil du mal eine Kleinigkeit vergessen hast.

    Genau so muss es einer an Demenz erkrankten Person vorkommen, wenn du alle Schutzmaßnahmen gleichzeitig aufbauen würdest. Das ist doch kein Leben mehr!


    Deshalb solltest du die Schutzmaßnahmen erst dann einrichten, sobald die Zeit dafür gekommen ist.

    Manches wird eventuell Jahre nicht benötigt und anderes muss von einem auf den anderen Tag umgesetzt werden.


    Schutzmaßnahmen, die bei Kindern funktionieren, sind bei Erwachsenen oft wirkungslos. 

    Sie sind größer, schwerer und können auch noch Erfahrungen nutzen, die ein Kind noch nicht hat.


    Ein Kind verbrennt sich, weil es einen Topf vom Herd zieht. Ein kleines Gitter um das Kochfeld verhindert das.

    Beim Erwachsenen muss dazu gleich der ganze Herd außer Funktion gesetzt werden.


    Putz- und Reinigungsmittel werden als Lebensmittel angesehen. Bei einem Kind genügt es, sie außerhalb der Reichweite zu platzieren.

    Bei einem Erwachsenen müssen sie komplett aus dem zugänglichen Lebensbereich entfernt werden.


    Vorräte an Lebensmitteln werden dadurch vernichtet, dass einfach alles gleichzeitig geöffnet wird. Es darf nur das im Zugriff bleiben, was tagesaktuell benötigt wird. Der Rest muss woanders gelagert werden.


    Räume ohne Türen müssen blockiert werden.

    Zerbrechliches Geschirr muss durch unzerbrechliches ersetzt werden.

    Das Fassungsvolumen des Geschirrs muss geringer werden, damit es bei Gebrauch insgesamt leichter wird


    Das alles betrifft aber nicht nur die erkrankte Person, sondern gleichzeitig auch alle anderen im Haushalt.

    Das ganze Leben muss immer wieder an die jeweils neue Lage angepasst und neu organisiert werden.



    Der Orientierungssinn geht verloren

    Immer wieder irren an Demenz Erkrankte außerhalb herum, da sie nicht mehr wissen, wo sie sich befinden. Das geht so weit, dass sie zwar vor dem eigenen Haus stehen, aber trotzdem ihr Zuhause nicht mehr finden können.

    Immer wieder gibt es Meldungen, dass derart verirrte Personen leblos aufgefunden werden.


    - Das Öffnen von Außentüren von innen muss verhindert werden können, auch wenn die Türen keine Schlösser haben (z.B. Türen von Balkonen, Terrassen, Wintergärten, bei denen ein Hebel die Tür von innen blockiert)


    Auch im Innenbereich geht die Orientierung verloren

    Bis zu einer gewissen Phase, helfen noch Beschilderungen der Räume weiter, nach denen sich die erkerankte Person orientieren kann.

    Später müssen sie durchaus durch einfache Symbole ersetzt werden, da auch die Fähigkeit des Lesens verloren geht.


    In der letzten Phase hilft nur noch, dass alle nicht aktuell nötigen Räume abgeschlossen werden.

    Des nachts wären dann z.B. nur noch die Türen zu Schlafzimmer und Toilette unverschlossen.


    Ja, es gibt sogar Toilettenstühle, sodass man eigentlich auch die Schlafzimmertür von außen abschließen könnte.


    Sobald erkennbar wird, dass es sich um eine Demenzerkrankung handelt, sollte man mit dem Planen beginnen.

    - zusätzlicher/anderer Lagerraum

    - Barrieren

    - zusätzlicher Kühlschrank/Gefrierschrank

    - anderes Geschirr und Besteck

    - Stromanschlüsse von Elektrogeräten so umverteilen, dass sie alle über Hauptschalter im Sicherungskasten deaktiviert werden können.


    ABER


    Nur planen und dafür sorgen, dass man alle Informationen hat, um es dann bei Bedarf auch besorgen/ändern zu können.

    Es kann sein, dass die Person schon vorher in eine Phase kommt, in der vieles nicht mehr benötigt wird.


    In dieser Phase kann dann alles wieder entfernt und zurückgebaut werden, damit die anderen Personen im Haushalt wieder ein Leben ohne Einschränkungen führen können.


    Es ist aber nicht auch gleichbedeutend damit, dass Pflege nun nicht mehr benötigt wird.

    Das Vergessen kann einfach auch nur die Bewegungsabläufe oder Essen, Trinken, Schlucken betreffen.