Vorsicht vor "genialen Tricks" in Videos

  • Ich schaue mir gerne auch mal Handwerkervideos im Internet an. Manche sind wirklich sehr nützlich.


    Andere erscheinen zwar "genial" zu sein, aber

    - das dazu benötigte Material kann man in Deutschland nicht kaufen

    - man das Material zwar kaufen, aber die Do-it-yourself (DIY) Lösung kann erheblich teurer sein, als wenn man gleich ein fertiges Produkt kauft

    - was woanders als kostenloser Abfall herum liegt, muss man in Deutschland teuer kaufen

    - die DIY Lösung wäre in Deutschland sogar verboten

    - die Übersetzung ist falsch, sodass es nicht funktioniert

    - das ganze Video ist faktisch sinnlos, weil man das "super Ergebnis" auch schon dann hat, wenn man gar nichts macht

    - die DIY Lösung kann sehr gefährlich sein


    Ein Beispiel, wie man eine schon vorhandene Eigenschaft als Ergebnis einer DIY Lösung präsentiert 

    Pappkartons bestehen aus sogenannten Kraftpapier. Es ist sehr stark verdichtet und daher ganz automatisch auch wasserabweisend.

    Erst nach einiger Zeit beginnt es damit, Wasser aufzunehmen und zu durchnässen.


    Der Nachweis, dass eine "geniale Beschichtung" für ein Herunterlaufen von Wasser vom Karton sorgt, ist also nur eine Eulenspiegelei.:thumbdown:


    Ein Beispiel, für einen Übersetzungsfehler, der verschiedene Folgen haben kann.

    Text in Englisch: Carbid

    Übersetzung Deutsch: Hartmetall

    Original: Kalsium Karbida

    Übersetzung Deutsch: Kaliumkarbonat


    In dem Video wird gezeigt, wie man selbst brennbares Gas erzeugen können soll. 

    Dazu wird einfach "Carbid" ins Wasser geworfen und schon geht es los.

    - Wirft man Metall ins Wasser --> passiert nichts

    Diese Übersetzung kann also einfach nur falsch sein.


    Es muss sich um eine chemische Reaktion handeln.

    Spätestens jetzt sollte man sich bewusst werden, dass da mit Stoffen hantiert wird, die nicht unbedingt harmlos sein müssen.


    a) Im Video wird ein Beutel mit dem originalen Namen angezeigt (siehe oben)

    b) "Karbid" ist auch als Mittel zur Schädlingsbekämpfung bekannt

    Um das zu wissen, muss man schon einmal damit zu tun gehabt haben


    Hat man die richtige Information, um was es sich handelt, kann man auch nachschauen, was dieser Mix ergibt:

    Kaliumkarbonat + Wasser = Kalilauge


    Gefahrstoffkennzeichnung Kalilauge


    1) Die Zutaten sind nicht so billig, wie es sie es im Land sind, in dem das Video erstellt wurde

    - 1 Kg Carbid kostet rund 20€. Dafür kann man sehr viel brennbares Gas bekommen. :thumbdown:

    2) Der entstehende Stoff ist gefährlich (in diesem Fall ätzend)

    - Am Ende hat man dann noch ein Entsorgungsproblem :thumbdown:

    3) So ein Video ist reine Zeitverschwendung

    - Erst nach der ganzen Bastelei erfährt man, wie das Gas erzeugt wird. :thumbdown:


    Bei solchen Videos gibt es zwei Grundprobleme


    1) Originale Sprache + Herkunftsland des Videos

    Mittlerweile wird alles automatisch nach Englisch übersetzt. Bereits dadurch entstehen grundsätzliche Fehler, die man nur erkennt, wenn man das Original hat und selbst auch die Originalsprache beherrscht.

    In einigen Ländern gilt manches noch als "harmlos", was in anderen Ländern längst als "gefährlich" bekannt ist


    2) Das Hintergrundwissen der Verfassenden und der Betrachtenden

    Beispiel: Putzmittel werden oft als "harmlos" betrachtet.

    Wer sich aber einmal näher damit beschäftigt, wird die Gefahrstoffkennzeichnung entdecken und bemerken, dass die eben doch nicht harmlos sind.


    Unterschiedliche Schulbildung, Allgemeinwissen und Interesse entscheiden also darüber, dass man vom gleichen Video völlig anderer Ansicht sein kann.


    Was sollte man machen, wenn es wieder einmal "etwas ganz Geniales" zu sehen gibt?

    Rein Handwerkliches:

    Gerne mal anschauen. Im schlimmsten Fall bekommt man nur Allgemeinwissen als "genial neu" serviert.


    Irgendwelche Mittel:

    Im besten Fall wäre es nur Geld- oder Zeitverschwendung, das zu probieren

    Im schlimmsten Fall wäre es aber sogar gefährlich für dich, das auch einmal auszuprobieren.