Befehlen und gehorchen. Welchen Sinn bei Erwachsenen?

  • Man erhält einen Auftrag und führt ihn aus. Dabei bringt man dann eventuell auch Einwände vor, die berücksichtigt werden. Am Ende ist die Ausführung dann ganz anders, als wenn man den Auftrag ohne Einwände durchgeführt hätte.


    Wir haben uns alle daran gewöhnt, oder sind damit aufgewachsen, dass man immer auch selbst mitdenken kann und nichts absolut festgeschrieben ist.


    Es gibt aber Bereiche, bei denen es so etwas nicht gibt und auch erst einmal nicht geben darf.

    Dort gilt: Jemand erteilt einen Befehl und ein anderer muss ihn ganz genau so (und nicht anders) und ohne Diskussion ausführen.


    In der Regel betrifft es Arbeitsbereiche, bei denen es auf extrem schnelles Handeln ankommt.

    Jegliche Verzögerung kann Menschenleben kosten und/oder riesige materielle Schäden verursachen.


    Es betrifft aber auch Bereiche, bei denen alles exakt nach Plan ablaufen muss, damit es überhaupt funktioniert.

    Mehrere Personengruppen erledigen parallel ganz bestimmte Aufgaben nach ganz bestimmten Vorgaben.

    Wird irgendetwas geändert, passt es nicht mehr zu den Aufgaben, die eine andere Gruppe gerade erledigt.


    Sicherheit + Planung + schnelles Handeln von unabhängig voneinander agierenden Gruppen 

    In dieser Konstellation gibt es eine "Zentrale", die alles koordiniert. Die Planung wird pyramidenartig nach unten weiter gereicht.

    Mit jeder Ebene übernimmt eine "Unterzentrale", die die Aufgaben wieder dementsprechend nach unten verteilt.

    Es bildet sich eine Ebenen Vielfalt, die die einzelne Person nicht mehr überblicken kann.

    Alle sind nur ein kleines Zahnrad im Getriebe, das den Plan der Zentrale überhaupt zum Laufen bringt und am Laufen hält.


    In China und Japan sind die Menschen (noch) so geprägt, dass sie die Gesellschaft und deren Ziele noch vor die eigenen stellt.

    Man empfindet eigene Fehler als eine Schande, für die man sich bei allen dadurch Betroffenen in aller Demut entschuldigen muss.

  • In Europa haben wir eine andere Gesellschaft.

    Das parallele Zusammenarbeiten von Tausenden am gleichen Ziel kommt nur relativ selten vor.


    Diese Art der Zusammenarbeit (bei der keiner mehr weiß als es seinen eigenen Bereich betrifft) findet man oft in Armeen.


    Alle bekommen die gleiche Grundausbildung.

    Dabei lernt man als Erstes, Befehlen zu gehorchen - ohne sie erst lange zu diskutieren.


    Man lernt, dass man aufeinander angewiesen ist.

    Das Gruppenziel kann nur erreicht werden, wenn sich alle gegenseitig helfen.

    - Die Stärkeren müssen den Schwächeren helfen

    - Die Schnelleren müssen auf die Langsameren warten

    - Die Last des anderen wird abgenommen, damit er schneller vorankommt

    - Wer gerade etwas holt, bringt es auch gleich für andere mit.

    - Wenn einer nicht mehr kann, übernimmt ein anderer seine Aufgabe.

    - Du übernimmst Verantwortung, nicht nur für dich, sondern auch für andere


    Während dieser Zeit entwickelt sich eine völlig andere Art des Zusammenlebens und der Gesellschaft.

    Jeder setzt sich für jeden ein. "Ich mache es nicht für mich. Ich mache es für uns"


    Mit der Zeit erkennst und erfährst du, wieso man manchmal etwas befehlen muss, das sofort genauso ausgeführt werden muss.

    Du erfährst aber auch, welchen Befehlen man auf gar keinen Fall gehorchen darf. Auf so etwas wirst du dann später auch im Zivilleben noch öfters stoßen.


    Zurück im Zivilleben, hast du eine ganz andere Grundeinstellung als vorher.

    Du bist selbstständiger geworden, kannst mit Verantwortung umgehen, weißt wann man "gehorchen" und wann man befehlen muss.

    Du bist sowohl Teamplayer als auch Leader, je nachdem wie es die Situation oder der Beruf es erfordert.


    PS:

    In einer Grundausbildung wird zuerst das nachgeholt, was Elternhaus, Schule und Gesellschaft versäumt haben beizubringen: Das Leben in einer Gemeinschaft, in der jeder von jedem abhängig ist.