An Tinten und Tonern verdienen die Hersteller mehr als mit den Geräten. Das Gerät braucht man nur alle paar Jahre einmal. Die "Druckerfarbe" braucht man aber regelmäßig immer wieder. Die Preise für die "Druckerfarbe" sind dazu dann manchmal auch noch wirklich überzogen hoch.
Ist doch ganz klar, dass man sich diese lukrative Einnahmequelle nicht nehmen lassen will.
So tricksen die Hersteller bei Druckerfarben
Info: Tinten und Toner haben alle eine individuelle Kennung, die automatisch zum Drucker gesendet wird.
Zählwerke im Drucker
Es begann damit, dass der Drucker die Kennungen von 3 Patronen speichern konnte. Nachbauten gab es noch nicht, aber man konnte die Patronen einfach mit neuer Tinte nachfüllen.
Das "Zählwerk" sorgte dafür, dass man eine leere Patrone nicht einfach wiederbefüllen konnte.
1, 2, 3 diese Patronen wurden beim Einsetzen direkt als "leer" erkannt, weil die Kennung ja noch gespeichert war.
Erst eine 4. Patronen, mit einer anderen Kennung, wurde wieder als "voll" akzeptiert.
Wenn die 4. Patrone leer war, konnte man dann wieder eine der ersten 3 wiederbefüllt benutzen.
Hatte man dann 6 verschiedene Patronen zusammen, konnte man diese reihum als nachgefüllte weiterbenutzen.
Der Verdienst von 6 Patronen war dem Hersteller damit also schon sicher ... dachte er.
Im Laufe der Zeit konnten die Drucker immer mehr Kennungen speichern. Das "Zählwerk" konnte faktisch Tausende Patronen erfassen, die nicht mehr erneut eingesetzt werden konnten.
Jetzt schien der Gewinn des Herstellers endlich dauerhaft gesichert ... dachte er
Füllstandkontrolle
In vielen Tintenpatronen ist die Tinte nicht flüssig in der Patrone, sondern in einem kleinen Schwamm. Beim Drucken fließen Mikrotropfen Tinte aus der Patrone.
Eine reale Messung des Verbrauchs ist bei so kleinen Mengen faktisch kaum möglich und/oder viel zu aufwändig.
Bei Tonern müsste man das Tonerpulver regelmäßig wiegen, um festzustellen, wie viel Inhalt noch in der Kartusche ist. Eine reale Berechnung der restlichen Reichweite ist hier mit noch mehr Aufwand und Problemen verbunden.
Viel einfacher ist es, einfach die Anzahl der Druckvorgänge zählen zu lassen.
Die erreichbare Seitenzahl wird bei einer 5%igen Deckung der Seite angegeben. Nachdem das Blatt zu 5% gedeckt ist, beginnt rechnerisch die nächste Seite. 1 Seite zu 100% gedeckt = 20 Seiten im Zählwerk der Druckvorgänge.
5% Deckung der Seite hört sich viel an. Bei einem A4 Blatt braucht man aber gerade einmal 1,5cm über die ganze Breite zu bedrucken.
Über die Druckgeschwindigkeit und einige andere Daten lässt sich schnell errechnen, wann jeweils die 5% erreicht sind.
Ist die Tintenpatrone rechnerisch leer, verweigert der Drucker weitere Drucke.
Bei Lasertonern ist die Technik noch nicht so weit. Hier wird einfach sehr früh gewarnt, dass die Kartusche unbedingt getauscht werden muss.
Absichtliche Verschwendung der Druckerfarbe
Tintenpatronen sollen nach dem Einsetzen erst einmal "ausgerichtet" werden. Oft nicht nötig, ist das schon einmal die erste Materialverschwendung. Bei Tintenstrahldruckern wird zusätzlich nach jedem Start Tinte in alle Kanäle gespritzt, um sie zu "reinigen".
Allein dieser Tintenverbrauch kostet mehr Tinte, als wenn man drucken würde.
Updates sorgen dafür, dass man "nur Original" verwendet
Dabei werden dann alle Druckerfarben gesperrt, die keine "originale Kennung" haben. Patrone gerade erst eingelegt, kann sie dann schlagartig "leer" anzeigen oder auch als "nicht Original" gesperrt werden.
Das betrifft dann hin und wieder auch originale Druckerfarbe, die schon vor einigen Jahren gekauft wurde.
Geo-Coding
Originaldruckerfarben haben weltweit immer unterschiedliche Preise. Dass man sich ein günstiges Original aus dem Ausland schicken lässt, liegt nicht im Interesse des Herstellers. Er hat in einer Region eine bestimmte Anzahl an Druckern verkauft und will dort unbedingt auch einen speziellen preis für seine Farben haben.
Der Drucker bekommt einen Geo- bzw. Regionalcode. Die Druckerfarben haben auch einen entsprechenden Code. Nur wenn beide Codes zusammenpassen, lassen sich die Patronen auch im Drucker benutzen.
Tinte in Tüten/Tanks
Die Tintentüten lassen sich nur sehr schwer nachbauen und bislang verwenden auch noch zu wenige Drucker diese Farbbehälter, als dass ich ein Nachbau lohnen würde. Bis sie sich weit genug verbreitet haben, hat der Hersteller seine geplanten Einnahmen garantiert.
Leere Kartuschen zurückgeben lassen, damit man sie erneut als neu verkaufen kann.
Ein Hersteller verkauft längst nur nachgefüllte Kartuschen, bezeichnet sie aber fairerweise indirekt auch so.
Obwohl es eigentlich alles "gebrauchte Kartuschen" sind, macht es sich aber nicht im Preis bemerkbar.
Ein anderer Hersteller verkauft Toner nur mit der zugehörigen Bildtrommel.
1 Trommel hat die Reichweite von 3 Tonerkartuschen. Man kann sie einfach entnehmen und in die nächste Tonerkartusche setzen.
Das Perfide an dem System ist:
Die Trommel lässt sich wirklich mit einem Handgriff "ausklinken". Es wäre also kein problem, sie selbst in eine neue Kartusche einzuklinken - aber - die reinen Tonerkartuschen bekommt man nicht einzeln. Also nutz dieses Wissen nichts.
Patenrecht
Die Form und Funktionsweise etc. kann patentrechtliche geschützt werden. Man darf sie in dieser Form/Version/Funktionsweise also nicht nachbauen.
Herstellergeheimnis, das nicht ausgehebelt werden kann
Wie vorher schon erwähnt, füllen manche Hersteller die Patronen auch einfach selbst nach. Die nachgefüllten Patronen gehen dann als "Neuware" wieder in den Handel.
Ein Hersteller hat den Druckkopf direkt auf seinen Tintenpatronen. Die Patrone kann bis zu 3x wiederbefüllt werden. Erst danach lässt die Druckqualität so langsam nach.
Wie viele Füllungen eine Patrone schon hinter sich hat, kann nur der Hersteller ermitteln. Seine wiederbefüllte "Neuware" hat daher immer die gleiche Qualität als wenn die Patrone gerade zum ersten Mal befüllt wurde.
Garantiebedingungen
Garantien sind freiwillig. Der Druckerhersteller kann daher auch Bedingungen vorgeben, die erfüllt werden müssen.
In fast allen Garantiebedingungen steht der Passus, dass eine Garantie nur gewährt wird, wenn originale Druckerfarben verwendet werden.
RFID-Chips und Hologramme auf den Druckerfarben
Sie sollen Plagiate verhindern und eine Kartusche als "Original" bestätigen. Als eine Art von Gütesiegel sollen sie dem Kunden zusätzlich auch eine besonders hohe Qualität bescheinigen, die nur der Markenhersteller haben kann.
Es lässt sich vom Kunden nachprüfen, ob ein Hologramm wirklich echt ist.
"Für jedes Dope gibt es ein Anti-Dope" = Für fast jeden Trick gibt es einen Gegentrick, der ihn wieder aushebelt.
Und diese Gegentricks benutzen dann die Firmen, die Tinten/Toner nachbauen bzw. nachfüllen
Darum wird es dann im nächsten Teil gehen.