Werkstätten sind Fachbetriebe für Reparaturen. Die dort Arbeitenden haben eine gründliche Ausbildung und Berufserfahrung, wie man ein Fahrzeug repariert. Den Angaben einer Werkstatt sollte man also vertrauen können ... oder besser doch noch einmal hinterfragen.
Bremsen
Sicherheitsrelevantes Verschleißmaterial.
Bremsscheiben halten unzählige Sätze an Bremsklötzen aus.
Wie stark die Scheiben "dünner geworden sind" kann man am Außenrand fühlen. Ist die Bremsscheibe zu dünn geworden kann sie irgendwann auch brechen.
Thermorisse kann man von außen sehen.
Ziehen sie sich komplett durch kann die Bremsscheibe schlagartig reißen/zerspringen. Im gleichen Moment gibt es gar keine Bremswirkung mehr und nicht nur die Bremsanlage, sondern auch die Radaufhängungen können Schaden nehmen.
Bremsklötze reiben sich beim Bremsen ab.
Die Bremskraft geht verloren, sobald die Klötze komplett abgerieben sind. Bis dahin bremsen sie jedoch weiterhin als wenn sie noch nicht so weit wären.
Wenn man es nicht beim Bremsen fühlt, kann man es aber auch noch hören, wenn die Beläge "runter sind": Beim Bremsen entsteht ein metallisches Geräusch.
Bremssattel
Haltung für die Träger der Bremsbeläge. Drückt die Bremsen beidseitig an die Bremsscheibe an. Passt sich durch Federn automatisch an die jeweilige Stärke der Bremsbeläge an und sorgt damit dafür, dass die Bremsen immer ganz eng an den Bremsscheiben anliegen und die maximale Bremskraft entwickeln.
Wenn nach einem Bremsen ein Quietschen ertönt, liegt ein Defekt am Bremssattel vor. Die Federn drücken die Bremsen nicht mehr nach außen in die Ausgangsstellung zurück. Dadurch liegt die Bremse (an mindestens einer Seite) auch weiterhin an der Bremsscheibe an.
Die Bremsscheibe + die Bremsklötze haben dann einen erheblich höheren Verschleiß.
Defekte Bremssättel werden gerne (verhältnismäßig teuer) "wieder gängig gemacht". Für eine kurze Zeit funktionieren sie wieder, um dann erneut zu klemmen.
Wird der Bremssattel zu spät gewechselt, müssen gleichzeitig auch Bremsscheibe und Bremsbeläge der Seite gewechselt werden.
Der Vorschlag, die Bremse wieder (günstiger als ein Austausch des Bremssattels) "gängig zu machen" zielt also darauf ab:
- regelmäßig einen kleineren Reparaturauftrag zu erhalten, bei dem keine Materialkosten anfallen
- dafür zu sorgen, dass später eine Reparatur anfällt, die massiv höhere Kosten verursachen wird.
Ein vertrauenswürdiger Fachmann wird darauf hinweisen, dass das "Gängigmachen" nur ein Notbehelf ist und auch auf die Folgen aufmerksam machen, wenn der Sattel nicht baldmöglichst gewechselt wird.
Gerade wenn es um die Bremsen geht, wir oft ein regelrechtes Horrorszenario aufgebaut.
Selbst auf Bremsen spezialisierte Fachleute sind nicht in der Lage anzugeben, wie lange eine Bremsscheibe oder ein Bremsbelag noch halten könnte.
Dazu müssten sie die Fahr- und Bremsgewohnheiten kennen und auch wissen, welchen Verschleiß die Bremsen auf einer gewissen Strecke haben.
Jegliche Angabe, wie lange die Bremsen noch halten, kann daher nur reine Panikmache sein, um möglichst schnell einen Reparaturauftrag zu erhalten.
Achsmanschetten
Sie verhindern, dass Schmutz eindringen kann. Altersbedingt können sie sich irgendwann einmal lösen, einreißen und/oder komplett abfallen.
Fehlen sie, kann Schmutz eindringen und für den Ausfall einiger Komponenten sorgen.
Wegen des drohenden Folgeschadens wird eine nicht vorhandene Achsmanschette bei der HU als "erheblicher Mangel" eingestuft. Defekte oder nicht mehr korrekt sitzende Achsmanschette werden jedoch nur als "leichter Mangel" angesehen.
Eine lose oder beschädigte Achsmanschette ist also kein "akutes Sicherheitsrisiko". Wer das erzählt, will nur "jetzt sofort" einen Reparaturauftrag erhalten.
Radbolzen
Für Alufelgen braucht man längere Radbolzen als für Stahlfelgen. Das liegt einfach daran, dass Alufelgen dicker sind. Die für Stahlfelgen vorgesehenen Schrauben kann man also nicht tief genug einschrauben. Dadurch entsteht auf einer kürzeren Strecke eine erheblich höhere Belastung. Irgendwann ist die so hoch, sodass die Schraube bricht.
"Wenn die Radbolzen nicht sofort getauscht werden, können die Räder während der Fahrt abfallen"
So eine Aussage kann man nur als pure Panikmache betrachten.
Da Radschrauben relativ günstige Ersatzteile sind, sollte man sie jedoch einfach direkt tauschen lassen.
Der Fachmann muss wissen, welche Radschrauben stattdessen benötigt werden.
Weiß er es jedoch nicht, sollte man sich an einen wirklichen Fachmann wenden.
Zahnriemen / Steuerkette
Zahnriemen und Steuerkette sind beides keine sicherheitsrelevanten Bauteile. Wenn sie reißen/brechen gibt es "nur" einen kapitalen Motorschaden.
Die Ersatzteile sind verhältnismäßig günstig. Die Reparaturkosten gehen jedoch in die Tausende.
"Kein Nachweis im Motorraum, wann der Zahnriemen getauscht wurde. Der muss also ganz dringend gewechselt werden"
Schon wieder eine haltlose Begründung und Panikmache, die sehr viel Geld in die Kasse spülen soll.
Dass es keinen Beleg für einen Wechsel im Motorraum gibt, heißt nicht, dass er dringend gewechselt werden muss.
a) Vorhandene Rechnungen durchschauen, bei welchem Kilometerstand zuletzt gewechselt wurde
b) Den Zustand von Zahnriemen bzw. Steuerkette kann man oft sogar problemlos sehen. Nur wenn das geschehen ist, kann man auch einen Austausch empfehlen.
Stark ausgeschlagene Traggelenke
Traggelenke gehören zu den sicherheitsrelevanten Bauteilen eines Fahrzeuges.
Mit dem Alter schlagen die Traggelenke von jedem Fahrzeug irgendwann aus. Ab einem bestimmten Punkt werden sie dann brechen.
Diese Bauteile werden deshalb bei der HU wirklich sehr kritisch betrachtet.
Eine "Sicherheitswarnung" 1,5 Monate und 1.500 Km nach einer bestandenen HU kann daher nur jeglicher Grundlage entbehren.
Auch hier wieder eine Panikmache, die sehr viel Geld in die Kasse spülen soll, aber gar nicht nötig sein muss.
Lenkung
Hier geht es nun wirklich um sehr Sicherheitsrelevantes. Die Lenkung darf nicht ausfallen und muss andernfalls sofort repariert werden.
Defekte Servopumpen verursachen oft auch Überlastung der Stromkreise. Das kann dazu führen, dass der Hauptsicherungskasten im Motorraum durchbrennt. Ein Austausch des Sicherungskastens kostet relativ viel, löst das Problem jedoch nicht. Die Sicherungen werden immer wieder durchbrennen und auch der Sicherungskasten wird irgendwann erneut ausgetauscht werden müssen.
Hier haben wir also etwas ähnlich wie beim "Gängigmachen des Bremssattel":
Immer wieder hohe Kosten, ohne die Ursache zu reparieren.
Wiederaufbereitete Servopumpen gibt es (je nach Fahrzeug) für rund 1/3 vom Preis einer komplett neuen.
Markenwerkstätten bauen oft aber nur neue ein. "Alles andere ist nicht sicher genug"
Hier geht es um Preisunterschiede von bis zu 1.000 Euro, die man "aus Sicherheitsgründen" mehr investieren soll.
Kabel liegen lose im Motorraum
Klar, dass auch Kabelhalterungen irgendwann einmal nachgeben können. So lange aber alles funktioniert (und keine Gefahr besteht, dass das lose Kabel eventuell abreißen oder brechen könnte) handelt es sich aber nicht um ein Sicherheitsrisiko.
Der Auspuff ist durchgerostet
Hier haben wir wieder ein Verschleißteil, das alle paar Jahre ersetzt werden muss.
Hat das Abgassystem irgendwo ein Loch, treten die Abgase an dieser Stelle (und nicht erst ganz am Ende) aus.
Fällt ein Endtopf ab, schleift er einfach hinter dem Wagen nach. Bricht eins der Zuführungsrohre, kommt es daraus an, wo es bricht.
Entgegen der Fahrtrichtung kann es dann durchaus auch einen größeren Schaden verursachen.
"Feuer aus dem Auspuff" und "schneller Tod durch Abgase im Fahrzeug" sind absolut überzogene Warnungen.
Ein durchgerosteter Auspuff ist also nichts, was so gefährlich ist, dass er unbedingt sofort ersetzt werden muss.
Es git einige Werkstätten, die wirklich "mit der Angst der Leute Geld machen wollen".
Trotz (eigentlich vorhandenem und gegenteiligen) Fachwissen, werden relative Kleinigkeiten zu "akuten Gefahren" aufgebauscht, die natürlich auch sofort und teuer repariert werden müssen.
Auf der anderen Seite werden dann lieber immer wieder die gleichen Reparaturen durchgeführt, die nichts am eigentlichen Problem lösen können.
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Ein solche Ansammlung von "ganz gefährlichen Defekten" hatte ich noch nie bei einem Fahrzeug, das erst kurz zuvor die HU bestanden hatte.
Die Werkstatt war im Bekanntenkreis als besonders zuverlässig, sorgfältig, schnell und günstig empfohlen worden.
Meine persönlichen Erfahrungen waren in wirklich allen Bereichen genau das Gegenteil.